Samstag, 7. April 2012

Da bin ich wieder!

Tatsächlich anderthalb Monate habe ich mich nicht gemeldet – da bin ich sogar von mir selbst etwas enttäuscht. Die lange Zeitspanne hat aber ganz logische Erklärungen: Den Rest des Februars war eher weniger los, dann ging es nach Liuku zur Visumsverlängerung und auf der Rückfahrt haben wir einen Fahrplan für die Projektarbeit im März erstellt. Durch dessen Umsetzung war ich dann im März ziemlich beschäftigt, was mich dann von einem neuen Bericht abgehalten hat.

Aber fangen wir wieder ganz von vorne an: Nachdem ich aus dem Krankenhaus zurück kam und Euch meinen letzten Bericht mit Fotos zukommen lassen habe, stellte sich erst einmal ein Alltag ein. Jener war durch Aufräumen, Chinesen treffen und Essen gehen bestimmt, da an der Schule noch Ferien waren. Ende Februar sind Katharina und ich nach Liuku gefahren und haben dort den Rest aus Lanping, aber auch den Rest der anderen Freiwilligen wieder getroffen. Mit dabei waren auch Joshua und Shiny. Joshua ist ein Chinese aus Liuku, der jetzt schon die 3. Generation der Freiwilligen kennengelernt hat und durch den Kontakt mit allen Freiwilligen sich einen verständlichen Schatz an Deutschkenntnissen angeeignet hat. Shiny, ebenfalls aus Liuku, studiert seit geraumer Zeit in Frankfurt auf Englisch. Dementsprechend spricht sie Chinesisch, Englisch und versteht eine Menge Deutsch. Deren Sprachfähigkeiten zu erleben war wirklich toll, sorgte aber auch für Verwirrungen, da es beim Sprachenwechsel drunter und drüber ging.

Wir haben jeden Abend im Club oder KTV verbracht, den zweiten Tag tagsüber bei der für die Visumsverlängerung zuständigen Behörde und abends gab es dann noch eine Einladung von unserer Organisationsleitung aus Kunming. Jene war einen Tag zuvor, als Katharina und ich auf dem Weg nach Liuku waren, zu einem Überraschungsbesuch des frisch operierten Maik nach Lanping gefahren. Somit haben wir uns natürlich verpasst und wurden stattdessen am darauffolgenden Tag alle zu einem leckeren Essen in Liuku eingeladen.

Auf der Rückfahrt haben wir dann den besagten Fahrplan erstellt. Es ging also darum in nächster Zeit eine weitere Sammelaktion auf dem großen Platz in Lanping vorzubereiten und außerdem mit dem Sozialministerium bei den Grundschulen nach einer Möglichkeit des Spendensammelns direkt an der Schule zu fragen. Jenes Vorhaben konnten wir leider noch nicht umsetzen, da der Schulleiter aufgrund des ausfallenden Unterrichts eine offizielle Erlaubnis vom Bildungsministerium haben wollte. Diese haben wir mittlerweile besorgt und hoffen, dass wir jetzt im April erfolgreich sammeln können.

Also konzentrierten wir uns voll und ganz auf die Sammelaktion auf dem großen Platz. Wir verteilten zusammen mit einer Schulfreundin von Jannik, die für zwei Wochen ihren Urlaub ihres Freiwilligendienstes in Georgien bei uns verbrachte, 1100 Flyer. Außerdem wurden Plakate aufgehängt und ich habe allen Kontakten, die ich durchs KTV und den Club kennengelernt hatte, eine Rund-SMS geschrieben.

Das Wetter spielte dieses Mal wesentlich besser mit, man konnte merken, dass kein Feiertag bevorstand und auch unsere vermehrte Werbung schien Früchte zu tragen. Durch die Mithilfe von vor allem zwei jüngeren Mädchen, die sich an unseren Stand gesellten und ein großes Talent im Ansprechen potenzieller Spender hatten, kamen wir dann insgesamt auf über 500 Kleidungsstücke, viele Bücher, Federmappen und anderem Schulmaterial und auch Spielsachen und Geld wurden wieder umfangreich gespendet.

Die nächsten Tage hieß es also dann sortieren, waschen und nähen. Außerdem haben wir noch Plakate und Flyer für Bekleidungsgeschäfte mit Kinderkleidung kreiert und aufgehängt, auf die sich auch schon die ersten Spender gemeldet haben. Nach und nach wurde dann ein Paket nach dem anderen fertig gepackt und wir meldeten uns bei zwei Grundschulen in der Gemeinde Hexi an.

Die Pakete haben wir dann mit einem Transporter zum Busbahnhof gebracht, am nächsten Freitagmorgen auf den Bus gewieft, sodass es in Richtung Hexi losgehen konnte. Angekommen, wurden wir dann vom Headmaster aus Qinghua abgeholt, haben alle Pakete für seine Schüler mitgenommen und es ging hoch auf den Berg zur Schule. An der Schule wurden wir von den Schülern klatschend und singend mit einem Spalier empfangen und nachdem wir uns mit den Lehrern kurzgeschlossen hatten, ging es auch daran die 60 Schüler mit neuer Kleidung zu versorgen. Klassenweise haben Pauline und Katharina die Mädchen ausgestattet, während Jannik und ich uns um die Jungen kümmerten. Nach der Überwindung erster Schüchternheit nahmen die Kinder die Klamotten glücklich entgegen und es entstanden echt tolle Fotos. Anschließend ging es dann mit den vier Lehrern und dem Bürgermeister essen, bei dem wir natürlich den selbst hergestellten Alkohol probieren mussten. Auch wenn wir uns gegen übermäßigen Konsum versuchten zu wären, vollzog der Alkohol zusammen mit der prallen Sonne sein Werk. Trotzdem konnten wir die Hygieneaktion noch ohne Probleme durchführen, was auch daran lag, dass die Kinder schon sehr selbstständig beim Zähneputzen waren. Es wurden also wieder viele Fotos gemacht und die Kinder waren nach 20 Minuten putzen und waschen wieder blitzblank. Wir verabschiedeten uns von den Kindern, machten uns zusammen mit dem Headmaster auf den Weg zurück zur Busstation und warteten dort auf den Headmaster auf Bailong.

Nach ca. 4 Stunden Wartezeit hatte die Wirkung des Alkohols auch stark nachgelassen und der Headmaster aus Bailong hatte seinen Termin abgeschlossen. Also ging es nachdem letzten Besuch im Januar wieder hinauf auf den Berg, über steinige Straßen auf zur Grundschule. Um ca. 19.00 Uhr kamen wir an, sodass wir das Essen erst einmal aufschoben um möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen, ehe sie ins Bett mussten. Als erstes wurden unsere mitgebrachten Rucksäcke verteilt, die mit „Oh!“s und „Ah!“s beim Hervorholen bestaunt wurden. Auch der Inhalt wurde mit freudigen Gesichtern begeistert inspiziert. Anschließend rotteten wir uns alle zusammen um ein Gruppenfoto zu machen und nach dem Blitz ging es dann an die Luftballons und Süßigkeiten. Da dieses Mal alle 62 Schüler da waren, war es ein großer Spaß hinter den Luftballons hinterher zu rennen und Fotos zu schießen. Dann öffneten wir den Karton mit den Schuhen und da es langsam dunkel wurde, zogen wir nur den Bedürftigsten neue Schuhe an und baten den Lehrer am darauffolgenden Tag alle Schüler mit neuen Schuhen auszustatten. Somit näherten wir uns der Schlafenszeit und es ging ans Zähneputzen. Jenes war hinsichtlich zweier Dinge besonders toll: erstens waren die Schüler ziemlich selbstständig dabei, was einen Übungseffekt seit unserem letzten Besuch impliziert. Zweitens habe ich, aus mir bis heute unerschlossenen Gründen für einen Lachanfall bei den Mädchen gesorgt, der so ansteckend war das die Kinder und ich uns beim Zähne putzen nur anlachten. Dann ging es für die Schüler ins Bett und wir Freiwilligen machten uns über das Essen her. Nach einer kurzen Zeit am Feuer waren wir auch alle so müde, dass es ziemlich zeitig ins Bett ging. Am nächsten Morgen beluden wir den Transporter, fuhren in aller Frühe los, räumten Bäume die auf dem Weg lagen beiseite und bestiegen den Bus zurück nach Lanping.

Katharina machte sich noch am selben Mittag auf den Weg nach Liuku bzw. Fugong um die anderen Freiwilligen wieder zu besuchen. Den Nachmittag verbrachte ich noch mit einer Freundin und abends wurde dann Jannik zum Busbahnhof gebracht, da auch er sich auf den Weg nach Kunming zu seiner Freundin machte. Des Weiteren brachten wir noch ein Karton voller Babykleidung zum Busbahnhof, den dann Pauline nach Fugong mitnahm, sodass nach am Sonntag Maik als einziger Freiwilliger in Lanping übrig blieb.

Doch schon Montag zog auch ich in die weite Welt hinaus und fuhr mit dem Minibus nach Zhongpai, einer Nachbargemeinde im Norden des Landkreises Lanping. Dort wollte ich eine Familie besuchen, von der uns bei der ersten Sammelaktion im Januar berichtet worden war. Nach 4 Stunden Fahrt bin ich dann an der Grundschule angekommen. Da ich den Großvater nicht erreichen konnte, ließ ich mich von den Schülern zum Schulleiter der Grundschule führen, von dem ich prompt zum Essen mit seiner Familie eingeladen wurde. Dort war ich anscheinend auch bekannt, denn der Sohn war der Cousin meiner Zimmernachbarin im Krankenhaus und hatte mich dort also schon einmal getroffen. Nachdem Essen führte mich dann der Schulleiter zur besagten Familie und ich traf den Großvater und die Großmutter. Ich stellte mich vor und nach dem Schulleiter zurück zur Schule musste, kamen noch ein Englischlehrer und ein Chinesischlehrer der Mittelschule. Mir wurde die allgemeine Situation der Familie geschildert.

Die Familie besteht aus Großvater, Großmutter, Enkelsohn und zwei Enkeltöchtern. Die Großeltern hatten drei Söhne, die jeweils ein Kind haben (die Familie gehört zu den Han-Chinesen und ist somit seit geraumer Zeit den 1-Kind-Politik verpflichtet). Die Eltern der ältesten, 23-jährigen Enkeltochter sind vor einigen Jahren verschollen. Mittlerweile ist die Enkeltochter aber ausgezogen und lebt in einem anderen Dorf. Der Vater des Enkelsohns starb vor 7 Jahren und seitdem wohnt der wirklich clevere 13-jährige bei seinen Großeltern und besucht seine Mutter im Nachbardorf so oft es geht. Die 15-jähirge Tang WeiQin ist seit 10 Jahren Waise und lebt auch noch bei den Großeltern. Ihrem Schicksal kommt erschwerend hinzu, dass sie seit Jahren schon chronische Kopfschmerzen hat und auch des Öfteren von epileptischen Anfällen heimgesucht wird. Unterstützt wird die Familie durch zwei Lehrer der Mittelschule. Der eine stellt eine seiner Mietwohnungen der Familie zu sehr günstigen Bedingungen zur Verfügung und ein anderer Lehrer greift den Großeltern mit der Hälfte seines Monatsgehaltes unter die Arme. Über deren selbstlose Hilfsbereitschaft, die nicht einmal auf Verwandtschaft beruht, war ich wirklich sehr begeistert.

Alles in allem verbrachte ich zwei sehr schöne Tage mit der Familie, habe viel mit den Kindern gespielt und eine wirklich tolle Bekanntschaft geschlossen. Ich hoffe nun, dass ich durch Recherchen im Internet Möglichkeiten der Förderung für diese Familie und insbesondere für das Mädchen finden kann.

Zurück an der Schule kam auch Katharina aus Liuku zurück und wir feierten mit unseren Schülern ihren Geburtstag. Dafür hatte sie sich extra von ihren Eltern Schokolade für Schokoladenfondue schicken lassen. Die Schüler konnten somit das erste Mal Katharinas Lieblingsessen probieren und nachdem alle mit Schokolade gefüllt waren, ging es ins KTV. Dort wurde dann gesungen und der Tortenschlacht um Mitternacht entgegengefiebert. Wie bei den Chinesen üblich, beschmierten wir uns alle wieder gegenseitig mit Sahne und es gab erst Ruhe, als alle weiß waren.

Nun beginnt nach dieser einwöchigen Pause Montag wieder der Unterricht. Außerdem werden wir uns noch um zwei weitere Waisenkinder im Nachbarort kümmern, die wir jetzt schon einmal an ihrer Grundschule besuchten. Es steht als nächstes ein Besuch der Großeltern im Bergdorf an, damit wir deren Bedarf feststellen und eine mögliche Patenschaft ausloten können. Außerdem wird noch mal mit der offiziellen Erlaubnis bei den Grundschulen in Lanping angeklopft. Der nächste Bericht mit weiteren Erlebnissen der Projektarbeit wird also nicht mehr lange auf sich warten.

Bis dahin verbleibe ich ein weiteres Mal mit den besten Grüßen aus China!

Maik

Mittwoch, 8. Februar 2012

再次新年快乐!

Ein weiteres Mal melde ich mich; kurz vorm Bergfest und wünsche ich Euch noch einmal „Frohes Neues Jahr“; nur dieses Mal ist es das chinesische Neujahr – das Jahr des Drachen. Jenes begann mit dieser Woche und somit möchte ich die letzten Tage des alten und die ersten Tage des neuen Jahres Euch nicht vorenthalten.

Nachdem die anderen Freiwilligen Anfang Januar wieder abgereist sind und auch die Schüler Ferienbeginn hatten, haben wir uns in Lanping streng nach Plan an die Projekte gemacht. Dazu wurde der Kontakt mit dem Sozialministerium hergestellt und nach deren Vorgaben aufgrund der Feierlichkeiten der Plan angepasst. Es stand somit eine Sammel- und eine Verteilaktion für Mitte Januar an. Wir haben in der Vorbereitungszeit Flyer gestaltet, gedruckt und verteilt, das Sozialministerium hat Plakate aufgehängt und es wurden Klamotten schon mal vorsortiert. Außerdem machte ich mich an die Gestaltung einer Zahnputzgeschichte und einem Erklärungsplakat, wie man sich gründlich die Hände wäscht.

Somit waren wir tagtäglich sehr beschäftigt – vor allem da Katharina für drei Tage krankheitsbedingt ausfiel – und es näherte sich der 14. und 15. Januar, unser Sammelwochenende. Da am Vortag beim Einstudieren der Lieder, die wir als Entertainmentprogramm vortragen wollten, es regnete musste außerdem noch schnell ein Unterstand besorgt werden. Es zeigte sie aber wieder wie hilfsbereit die Chinesen sind und nachdem wir in zwei Läden gefragt hatten, hatten wir auch Zusagen für zwei einfache Pavillons. Somit stand der Sammlung nichts mehr im Wege.

Am Samstag haben wir mit einem Zugwagen, den wir uns von der Schule liehen, einen Schreibtisch und andere Materialien zum großen Hauptplatz gebracht und unter unseren Pavillons im Schutz vor dem Regen unseren Stand aufgebaut. Aufgrund des Regens blieben jedoch wenige Passanten stehen und die meisten hasteten vorbei. Es kamen fast nur Spenden über unsere Werbung zusammen. Außerdem hatten leider auch weniger unserer Freunde Zeit uns zu helfen und zu dolmetschen, da viele auf der Heimreise fürs chinesische Neujahr waren. Etwas enttäuscht und geschafft ging es dann mit zwei Kisten Klamotten und etwas eingenommenes Geld zurück. Die Sonne machte dem Sonntag dann aber alle Ehre und wir zogen wieder mit unserem Wagen hoch motiviert zum Platz. Kurz gesagt: Die Sonne schien, viele informierten sich und es gab vor allem viele Geldspenden.

Dazwischen geschoben haben wir am Samstagabend einen Discobesuch. Da wir eigentlich vor hatten, die vielen Spenden zu sortieren, aber schneller fertig waren, als gedacht, ging es also abends noch spontan los. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten der Laune, kamen aber immer mehr Freunde von uns, sodass der Abend sehr unterhaltsam war. Außerdem lernte ich noch viele andere Clubbesucher lernen; die Stimmung stieg im ganzen Club, was auch mit dem hohen Alkoholpegel aller Besucher zusammen hing. Leider kippte sie immer weiter, als erst eine Freundin von mir von einem Besoffenen geschlagen wurde und ich dazwischen ging. Weiterhin hat sich jener Trunkene noch mit jemand anderen angelegt, und in dem entstanden Handgemenge auf einen Tisch gesetzt, der daraufhin zusammenbrach und eine weitere Freundin von mir traf, die daraufhin ohnmächtig zusammensackte. Zu zweit haben wir sie dann in Sicherheit gebracht und uns um sie gekümmert, während die anwesende Polizei den Unruhestifter immer noch nicht rausschmiss. Am Ende ist es bei einer weiteren Diskussion zwischen ihm und derjenigen, die er vorher schon geschlagen hatte eskaliert. Beide Freundeskreise beschimpften sich und ich stand in der Mitte und hielt sie auseinander, damit sie sich nicht schlagen konnte. Erst als dann eine Dose Pfefferspray von der Polizei direkt vor meinem Gesicht den Keifenden entgegengesprüht wurde und unser Freundeskreis nach und nach sich draußen versammelte, kehrte langsam wieder Ruhe ein und wir verließen das Tong Bao Hotel.

Am Sonntagabend und montags wurde dann alles für die Verteilaktion vorbereitet. Es wurden Klamotten sortiert, Jacken repariert und Handschuhe eingekauft. Alles gut verpackt haben wir die Kartons dann noch am Abend zum Busbahnhof gebracht, damit wir auch ohne Probleme starten konnten. Los ging es also am Dienstagmorgen mit dem Bus nach Hexi, dort haben wir alle Pakete abgeladen und auf einen Minibus gepackt, der uns dann zum Treffpunkt am Fuße des Berges auf dem das Dorf Bailong liegt fuhr. Dort angekommen mussten wir noch auf den Lehrer und sein Auto warten, wurden aber nett von den dortigen Kraftwerkangestellten aufgenommen und bewirtet. Außerdem trafen wir unsere Mitfahrgelegenheit für die Rücktour, da ein Mann mit seinem Privatwagen ebenfalls am nächsten Morgen zurück nach Lanping wollte und uns anbot uns mitzunehmen. Schließlich kam der Lehrer der Bergschule und es ging wieder den steilen Felsbrockenweg hoch, den wir schon im November kennen gelernt hatten.

Oben angekommen, waren leider noch keine Schüler an der Schule, da auch jene Schüler Ferien hatten. Aber der Schulleiter ließ alle Kinder aus dem Dorf kommen, sodass wir nach kurzer Wartezeit 13 kleine, frierende und schüchterne Kinder vor uns wiederfanden. Wir begannen mit der Verteilung der Klamotten, welche auch bitter nötig war, da bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Kinder dünne Hosen und Jacken trugen und teilweise weder Socken noch richtige Schuhe vorhanden waren. Den Jungs zog ich deswegen auch gleich die neuen, warmen Jacken an. Anschließend konnten wir die Kinder endlich dazu bringen, ihre Schüchternheit zu überwinden und es wurde fröhlich Luftballons hinterher gerannt, Seil gesprungen, Limbo- und Hochsprungwettbewerbe durchgeführt und alles begleitet von dem Gelächter der Eltern, die mitgekommen waren. Als wir uns dann alle dreckig gespielt hatten, ging es ans Händewaschen. Mit einem Plakat erklärten wir den Kindern, was zu tun sei und jeder bekam eine Waschschüssel und Seife. Zusammen mit ihnen wurden die Hände sauber gewaschen. Anschließend hat der Schulleiter die Zahnputzgeschichte vorgelesen und den darin erwähnten Zahnmonstern ging es mit eigner Zahnbürste und –Pasta an den Kragen. Aufs Gründlichste gereinigt gab es auch noch Creme gegen die trockenen und teils warzenbesetzten und wir sangen begleitet von Janniks Gitarre noch zwei Lieder. Somit brachen die Kinder vollgepackt wieder nach Hause auf.

Abends saßen wir dann in der Küche am Feuer und wollten die Fotos begutachten, die der Lehrer vermeintlich mit meiner Kamera geknipst hatte. Leider hat er nach den ersten beiden Bildern nur noch die Kamera an- und ausgeschaltet, wodurch uns viele Bilder für Berichte und weitere Werbung abhanden kamen. Die wenigen Bilder, die Pauline noch nebenher machte, sind zwar gut, aber zum Beispiel das Bild mit mir und dem Mädchen durch das kältebedingte Gesicht des Mädchens für Werbung unbrauchbar. Trotzdem wurde der Abend nett ausgeklungen und wir konnten wieder in Betten an der Schule übernachten. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, hatte es auch geschneit und wir konnten auf dem Rückweg die weiße Landschaft bewundern.

Aufgrund der teils desolaten Fußbekleidung und weil wir die Hygieneumsetzung noch mal prüfen werden, haben wir uns für einen weiteren Besuch an der Schule Ende März angemeldet. Zur Vorbereitung wurden dazu auch alle Schuhe schon mal sortiert und verpackt.

Am darauffolgenden Wochenende sollte es dann eigentlich zu einer Schülerin ins Heimatdorf gehen um die Feiertage zusammen zu feiern, doch jene sagte aufgrund ihrer erkrankten Großmutter ab. Also entschieden wir uns spontan der Einladung unseres ehemaligen Spitzels nachzukommen und fanden uns in dem nicht weit entfernten Dorf Lailong wieder. Dort kam seine ganze Familie zusammen und wir spielten den ganzen Abend über Majiang, während die kleinen Kinder immer wieder hereinkamen um die verbleibende Zeit bis Mitternacht zu erfahren. Dass die Chinesen Feuerwerkskörper erfunden haben, stellten sie auch eindrucksvoll unter Beweis, obwohl nur zwei Dorfbewohner ihr Geld in den Himmel schickten.

Am Neujahrstag habe ich mich dann mit dem Hausherrn etwas unterhalten und er lud uns ein den Xuebangshan zu erklimmen. Das ist jener Berg, dessen Gipfel seit einiger Zeit eingeschneit ist und der höchste in der Umgebung. Wir ließen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen und machten uns nachdem Mittagessen auf den Weg. Katharina musste leider nach einem Viertel der Strecke schon umdrehen, jedoch hielten Pauline und ich durch. Nachdem Erklimmen der ersten Anhöhe ging es durch einen Wald immer höher, bis man nach der Baumgrenze steile Grashänge und Gerölllawinen erklomm. Insgesamt misst der Berg 4486m Höhe, wobei wir bei ca. 3950m zeitlich bedingt zur Rückkehr gezwungen waren. Der Ausblick war dennoch atem-beraubend. Auch der Rückweg hatte es mit einem Schnee-Felsenabhang in sich und man versank immer wieder bis zum Knie. Zum Abendessen kamen wir wieder im Dorf an und anschließend ging es ziemlich direkt wieder ins Bett.

Wie auch bei uns in Deutschland oftmals üblich ging es auf darauffolgenden Tag zur mütterlichen Seite der Familie und während Pauline und Katharina noch schliefen, fuhr ich zusammen mit dem Hausherren in den Nachbarteil des Dorfes und ich lernte weitere Familienmitglieder kennen. Nachdem reichlichen und köstlichen Mittagessen für alle 16 Gästen ging es mit Katharina und Pauline zurück nach Lanping.

Die Beiden sind am nächsten Morgen auch in den Urlaub gefahren, während ich mit Chinesen noch die letzten Tage in Lanping verbracht habe, bis auch ich am morgigen Tag aufbrechen werde. Erwähnenswert ist dabei noch mein gestriger Besuch einer chinesischen Beerdigung, da von einem Freund der Großvater verstorben war. Es sind alle Dorfbewohner und Verwandten gekommen, die von dem im offenen Sarg liegendem Leichnam Aabschied nahmen. Auch ich bezeugte vor dem geschmückten Raum mit Hinknien und Verbeugen meinen Respekt. Anschließend gab es noch ein gemeinsames Essen und der Abend wurde ausgeklungen. Erzählt wurde mir außerdem, dass über Nacht die männlichen Verwandten die am Sarg Wache hielten, ehe am nächsten Tag der Leichnam zum Familiengrab am Berg gebracht werden würde. Die Stimmung war die ganze Zeit über sehr aufgelockert und es wurde viel über die Person geredet. Einzig die Trauergesänge oder das Trauerflötenspiel dämpfte die Stimmung.

Für mich geht es dann Morgen in den ersten Teil meines Urlaubs und nach einer Woche werde ich mit neuen Bildern und wieder zurückkehren. Nach ein paar Aufenthaltstagen geht es dann in die zweite Woche des Reisens, ehe ich nach einem weiteren Besuch in Liuku zur Visumsverlängerung Ende Februar wieder in den Schulalltag übergehe.

Bis dahin verbleibe ich mit besten Grüßen aus Lanping!

Maik

(geschrieben am 28. Januar 2012)