Jetzt bin ich schon seit einem Monat in Brasilien und nun kann auch ich endlich mal einen Bericht schreiben!
Ich wohne in einer kleinen Stadt ca. eine Stunde von Sao Paulo City entfernt, wobei man bei Valinhos eigentlich nicht von einer Stadt reden kann. Hier wohnen ca. 90 000 Menschen, die sich ein Shoppingcenter, ein paar Schulen und eine undefinierbare Menge an Garagen teilen. Ein Teil der Menschen, die hier wohnen und zu denen auch ich gehöre wohnen in Condominios, sodass der Blick aus meinem Fenster auf eine hohe weiße Mauer mit Elektrozaun fällt und ich bevor ich das Condominio verlassen oder betreten kann, nett in eine Kamera lächeln muss, damit der Wachmann mich durchlässt.
Ein Blick von außen in Annas Condominio.
Dadurch, dass Anna, mit der ich mich hier angefreundet habe nur ein Condominio von mir entfernt und auch ein deutsches Au Pair Mädchen ist konnte ich mich sehr schnell hier einleben und war dann auch an meinem zweiten Wochenende auf einer Studenten-Party in Campinas. Außerdem habe ich immer gleich eine Freundin um die Ecke, um was trinken zu gehen, oder einen Film zu gucken.
Vielen habe ich auch schon erzählt, dass ich hier zur Fleischesserin geworden bin, wenn auch unfreiwillig.
Auf der Autofahrt vom Flughafen zu meinem derzeitigen zu Hause betonte mein Gastvater mehrmals , wie fantastisch hier das Fleisch schmeckt. Da dies ungefähr eine halbe Stunde für einen berauschenden Monolog sorgte, traute ich mich nicht mehr zu sagen, dass ich wenig bis gar kein Fleisch esse und dachte mir, dass ich es heimlich umgehen kann. Dies stellte sich jedoch als eine Fehleinschätzung heraus.
In meiner Gastfamilie ist es Tradition jeden Freitag essen zugehen. Da ich also an einem Freitag ankam lernte ich sofort Asiers (mein Gastvater) Lieblingsrestaurant kennen: Eine Churrasquera.
Dies ist ein Restaurant, wo es hauptsächlich Fleisch angeboten wird, was dir direkt auf den Teller geschnitten wird.
Anfangs bedient man sich am Buffet, wo es Salate und Kleinigkeiten gibt, was jedoch abzuraten ist, wenn man weiß was noch kommt. Auf dem Tisch steht ein Rädchen, wo " Ja, bitte", "Nein Danke" und "Süßes" drauf steht (natürlich auf Portugiesisch). In dem Restaurant laufen ununterbrochen Kellner herum, die Essen auf einem Tablett tragen. Viele verschieden Fleischsorten auf Spießen, die einem dann auf den Teller geschnitten werden, oder Pizza, Teigtaschen (natürlich mit Fleisch) und Pommes, die glaube ich nicht aus Kartoffeln bestehen. Wenn man das Rädchen auf Ja bitte stellt, kommen die Kellner an den Tisch und bieten dir das Essen an, was sie gerade bei sich haben, bei Nein Danke, bleiben sie fern und bei "Süßes" kommt einer mit einem Wagen voller Torten und anderem Gebäck. Ich habe mich aber zum Nachtisch mit Schokostreusel Pizza und Erdbeer-Käse Pizza begnügt. Sehr lecker!
Das schlimmste aber und was mich immer wieder Überwindung kostet ist, dass das Fleisch fast immer blutig ist und mit blutig ich meine ich, dass du eine Blutsuppe auf deinem Teller hast, sobald du es anschneidest, aber auch da bleibe ich tapfer!
Auch wenn es auf dem Bild nicht so aussieht.
Ich plane jeden Monat mindestens eine Reise zu machen, was auch funktionieren wird, wenn nicht sogar mehr und werde dann immer mal wieder darüber Berichten und einen Monats- Update machen. Meine erste Reise begann am Freitag den 30. September, wo wir (meine Gastfamilie und ich) Anna mit zu unserem wöchentlichen Essengehen in Campinas mitnahmen. Danach ging es nämlich sofort weiter zu einer Rodoviaria (Busbahnhof), wo wir einen komfortablen Bus über Nacht nahmen.
Aber natürlich begannen wir unsere Reise nicht ohne dementsprechende Sicherheitsvorkehrungen:
Auf der Internet Seite des Auswärtigen Amtes konnte man lesen, dass es zu Raten sei, ein zusätzliches Portemonnaie bei sich zu tragen das ungefähr 100 Brasilianische Reais enthält, um es bei einem möglichen Überfall ohne große Verluste zu "verschenken" ;).
Also bereiteten wir unsere Portemonnaies zu Hause vor( also ohne Ausweis, Führerschein, Kreditkarte), vergaßen aber den Rest des Geldes woanders zu verstauen, was wir dann in Campinas auf einer Toilette nach holen mussten.
Hätte dort eine Kamera gegeben wären wir bestimmt wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen worden... aber unser Gelächter, das aus den Toilettentüren kam, klang sicherlich nicht sehr professionell.
Anna reicht mir das Geld unter der Kabine durch.
Und ich verstecke es sicher in meiner Strumpfhose.
Samstag morgens um 7.00 in Rio hatten wir das Glück vorzeitig in unserem Hotel einchecken zu können um uns dann ohne Gepäck auf den Weg in den Botanischen Garten zu machen. Dort hat es mir sehr gut gefallen, da die riesigen Bäume den Verkehrslärm Rios abschirmen und man sich dort entspannt drei Stunden aufhalten konnte und wir sogar einen kleinen "Dino" gesehen haben.
Gegen Mittag besuchten wir dann einige berühmte Sehenswürdigkeiten, die man aus Rio de Janeiro so kennt. Wie z.B die Christus Statue, den Zuckerhut, das Maracana Fußballstadion, wo 2014 die WM stattfinden wird, eine Kathedrale und das Sambódromo, wo zur Karnevalszeit die Samba-Tänzer auf den Umzugswägen bewertet werden.
So sieht es aus, wenn man versucht ein Foto mit einer Person vor der Christus- Statue zu machen...
Nach diesem tollen, aber anstrengenden Tag gingen wir in die Sauna unseres Hotels und genossen beim Abkühlen auf der Dachterrasse den Ausblick auf die Stadt. Diesen Luxus gönnten wir uns gerne aber gezwungener Maßen, da es nur in guten Hotels möglich ist zentral und sicher zu übernachten.
Am nächsten Tag (Sonntag) sollte es in den Parque Nacional da Tijuca gehen, wo von uns der Mann von der Rezeption aber dringend abriet und uns empfiehl in den Stadtteil "Lapa" zu fahren, wo es viele Bars und Restaurants geben sollte.
Wir machten jedoch zuerst einen mehrstündigen Strandspaziergang über die Copacabana und Ipanema bevor wir uns todesmutig in den falschen Bus setzten....
An der Copacabana.
Nach unserem Spaziergang gingen wir zurück in unser Hotel, um unser Gepäck abzuholen, damit wir nach unserem Besuch in Lapa noch vor der Dunkelheit zur Rodoviaria fahren zu können, von dort aus es auch schon wieder nach Valinhos gehen sollte.
Wir stiegen also in diesen Bus und stiegen auch wieder aus, nur war der Ort an dem wir landeten völlig entgegen unserer Vorstellungen. Wir waren in einem armen Viertel gelandet, wovor uns tausendmal gewarnt wurde. Normalweise würde man sich in den nächsten Bus setzen und wieder raus fahren. Es gab aber keine Bushaltestelle, da man in Rio de Janeiro die Busse wie Taxis von der Straße winkt. Wir standen also auf dieser Straße, angestarrt von sämtlichen Passanten (in Rio de Janeiro ist man an Europäer gewöhnt nur dort schien es nicht so) und unwissend, wann und ob überhaupt ein nächster Bus kommen würde.
Nachdem wir die Straße hinuntergelaufen waren setzten wir uns in ein Restaurant, da sich dort die Menschen etwas zu essen leisten konnten und wir uns dort etwas sicherer fühlten. Nach einer Stärkung wies uns der Kellner den richtigen Weg die Straße wieder rauf, doch nach kurzem gezwungenem langsamen laufen stieg das Unbehagen wieder auf, was man auch Todesangst nennen könnte... Die Situation war einfach nicht einzuschätzen und uns kostete es alle Mühe sich die Panik nicht im Gesicht ansehen zu lassen. Gott sei Dank fanden wir bald einen Bus, mit einem nach unseren Empfindungen zu freundlich lächelnden Busfahrer, in den wir trotzdem einstiegen.. was blieb uns auch anderes übrig... und versuchten meine blonden Haare unter einer Mütze zu verstecken.
Wir kamen also frühzeitig in der Rodoviaria an, wo wir dann sieben Stunden auf unseren Bus warten konnten, was uns aber nichts machte, da wir einige Stunden brauchten uns von dem Schrecken zu erholen, wir dort essen gingen und ich auf die grandiose Idee kam, aus einem alten Block ein Kartenspiel zu basteln.
Eine Woche später denke ich, dass wir in dem Stadtviertel völlig überreagiert haben und wir keiner wirklichen Gefahr ausgesetzt waren. Hätten wir uns nicht immer und immer wieder eingetrichtert, dass Rio de Janeiro so gefährlich ist, wäre uns dort nichts unheimliches aufgefallen und auch brasilianische Freunde konnten unsere Angst nicht nachvollziehen, da Lapa scheinbar ein beliebtes Viertel für Touristen und auch das Nachtleben ist, aber nun gut, besser mehr Vorsicht als zu wenig!
Alles in allem hat mir Rio sehr gut gefallen und unsicher habe ich mich bis auf das falsche Viertel auch nicht gefühlt. Natürlich muss man ständig mit Taschendieben rechnen und in der Dunkelheit sich besser drinnen aufhalten, aber das sind Vorsichtsmaßnahmen mit denen man gut leben kann und man kommt zu dem auch früh ins Bett! =)
Jetzt bin ich wieder in meinem sicheren Valinhos und freue mich auf meine nächste Reise am 27. Oktober nach Paraty!
Bis bald =)