Sonntag, 24. Oktober 2010
Zuhause bin ich Gast oder: Home is where the…TiEgers are !
Also eigentlich nicht, denn Heimat bedeutet für mich einen Freundeskreis und der fehlt hier noch.
Doch in der heutigen Zeit kann man nun mal nicht mehr im TiEgerclub zuhause sein, zumindest nicht geographisch- Da machste nix!
Hier lebe und studiere ich (in der Reihenfolge!) und- „hier wird es [mir] gefallen“, das stand in einer von zahllosen Erstsemesterinfos, doch davon war ich ohnehin überzeugt und bin es noch.
Ich gehe also jeden Morgen als einer von knapp 400 (es gab dieses Jahr in Münster über 4.000 Bewerber, damit lag der N.C. bei 1,8) aus meinem Semester zu den Vorlesungen (Bürgerliches Gesetzbuch- Allgemeiner Teil (Verträge); Strafrecht (Mord und Todschlag); Staatsrecht (Grundrechte/ Verfassung)),
den begleitenden Arbeitsgemeinschaften (in Kleingruppen von ca. 15 – 30 lernen wir das Falllösen, also das, was in Klausuren und im Examen wirklich relevant ist- ein anschauliches Beispiel poste ich demnächst…(die AG- Leiter setzen den Inhalt der Vorlesungen als bekannt voraus))
und zu einem der angebotenen Grundlagenfächer (sog. „weiche Fächer“: dts. Rechtsgeschichte; Verfassungsgeschichte; Kriminologie und Kriminalsoziologie; Grundzüge der Rechtsphilosophie;…- davon muss ich in 4 Semestern jeweils in einem „philosophischen“ und einem „geschichtlichen“ die Abschlussklausur bestehen).
Dazu habe ich noch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung für Juristen (FFA) in Englisch belegt (dauert 4 Semester, ist ein eigener Studiengang, beinhaltet ein mind. 3-wöchiges Praktikum im engl.-sprachigen Ausland). Hier lernen wir von Muttersprachlern das amerikanische/ britische/ …(Commonwealth) Rechtssystem kennen- das Common Law (Vorlesungen sind auf Englisch gehalten). Die (spezifischen -> jurist.) Sprachfähigkeiten werden in Ergänzungskursen verbessert (dieses Semester habe ich „Reading skills for law“ gewählt).
In der Summe (Vorlesungen + AGs + FFA) sind das bei mir in diesem Semester 25 Semesterwochenstunden (SWS). Wobei 1 SWS = 45 min entspricht.
25 SWS sind also auf die Woche gerechnet weniger als 4 Zeitstunden pro Tag.
Wobei jede Vorlesung aus mindestens 4 SWS (3 Zeitstunden) besteht, die über die Woche verteilt sind und entsprechende Vor- und Nachbereitungen bedürfen: 4 SWS = ca. 10 – 20 Seiten im Lehrbuch. Dazu kommen noch die „Hausaufgaben“ aus der FFA und die Fälle der AGs, die man eventl. auch zu Haus lösen muss/ vor- bzw. nachbereitet.
Inklusiver aller Zeiten in der Uni wird das dann ein 8-Stunden-Tag. Fair.
Dass ich jetzt in Münster zuhause bin, bedeutet auch (Achtung! Stilmittel…) eine vorläufige Endgültigkeit: Westerstede wird demnach frühestens mit Eintritt ins Rentenalter wieder zuhause –und das mag ich mir heute nicht vorstellen, halte es auch für sehr unwahrscheinlich.
Deswegen endgültig.
Die Vorläufigkeit bezieht sich auf die Studiendauer und den Fall eines Studienortswechsels.
-Also Alles auf Zeit, Alles als Gast und das Alles irgendwie noch heimatlos hier zuhause…
L.O.V.E. ,
Dein stud. iur. Eric
Freitag, 22. Oktober 2010
Lustiges Tangespiel.
Ich sitze gerade ganz gemütlich, mit einer flauschigen Decke und einem zu heißen Tee in meinem Zimmer und freue mich darüber auch endlich etwas in unserem Blog schreiben zu dürfen. :)
Man Sascha, ich bin echt neidisch auf dich. Ich will auch fett feiern gehen und die Maske finde ich ja super geil. Ich bin ja mal total für eine Maskenparty. Wie auch immer... Ich bereite mich mental darauf vor meinen Koffer für London zu packen. Morgen um 20 Uhr geht es los mit dem düddüüüümmm Bus -.-.
Ankommen werden wir Sonntag früh. Ich habe gerade gehört, dass Herrn Kleen im Krankenhaus war/ist, stellt sich nur noch die Frage, ob er mit auf Semifahrt kommt oder nicht. Ich bete zu Gott, dass er kommt, denn eine Woche nur mit Gulati, ich glaube, dass nicht mal so eine geduldige Person wie ich, das aushalten werde. Wie kann Jmd nur so zickig sein? Übrigens ist Herr Hetey (Wird er so geschrieben?) auch mit von der Partie. Ich werde natürlich über London berichten und viele Fotos machen.
Ach und zu der Sache mit Stefanos... das war so ne lustige Geschichte.
An einem Mittwoch, nach dem Schulfest, sind Maik,Andre,Alex Niklas und ich noch nach Tange gedüst.
Mal so ganz sinnfrei.... In Tange herrschte tote Hose, was natürlich an einem Mittwoch zu erwarten war.
Wir haben getanzt und haben gequatscht und irgendwann saßen Andre und ich an der Theke.
Was sah ich an der Theke? Bieruntersetzer...tjaa, genau so nahm dann alles seinen lauf. Wir spielten ein dummes, aber für Andre sehr profitierendes Spiel.
Jeder von uns hatte 5 Bieruntersetzer. Jeder hat auf jedem Untersetzer seine Handynummer draufgeschrieben. Dann ging es los. Er nahm die Untersetzer mit meiner Nummer und "Büffeltime".... Das war so lustig. Den ganzen Weibern Andres Nummer zu geben. Andre hatte dann Stefanos angesprochen. Ein griechischer Basketballspieler, den Alex von früher kannte. Kaum, dass Andre ihm meine Nummer gegeben hat, bastelte er mir in windeseile, aus einem Zettel mit seiner Handynummer drauf, einen Schwan. Ich war natürlich voll perplext, weil ich erst dachte, der käme von Alex, wieso auch immer.
Alex sagte dann, dass ich den Schwan auffalten sollte, was da drauf stand wisst ihr ja ;D
(Den Zettel hab ich draußen irgendwann später weggeschmissen)
Weiter ging es. Andre sprach weitere Leute an, die ihm immer dankend einen ausgegeben hatten... Tjaa soviel dazu... Nach drei verteilten Bieruntersetzern hatte ich die Nase voll, Stefanos hat mir angst gemacht. So haben Andre und ich uns dazu entschlossen das Spiel abzubrechen.
Das große Unheil folgte am Tage darauf. 8 Uhr morgens.Jemand klingelt mich wach und ich ignorierte es ganz böse darüber, dass es eben erst 8 Uhr morgens ist! Keine 10 Minuten später kommt eine Sms mit dem Inhalt
"Hey, guten morgen. Wie gehtz??? Ich glaube du weißt wer dir schreibt, oda???..."
Alles was ich mir dabei dachte war nur.. WTF -.-. Natürlich antwortete ich ihm nicht darauf..
Es folgte nach 2 Stunden die nächste Sms " Entweder du schläftst noch, oda du willst mir nicht schreiben??? :(" Tja, gut erfasst würde ich behaupten, aber nein... Am späten Nachmittag rief er mich an, wobei ich wiedermal nichts von mir hören ließ. So hartnäckig wie er zu sein scheint, rief er mich dann ein weiteres mal am Abend an......Von mir hörter er nada, niente.. nichts! :D
Geil, dass muss er doch geschnallt haben oder nicht? Eine Woche hörte ich nichts von ihm und freute mich riesig darüber! Was dann passierte war ja dann der Gipfel. Er schrieb mir eine weitere Sms " Na, alles fit??? Was treibst du so??? " Ich hab mich todgelacht, weil ich bei dem "Naaa, alles fit??" an Sascha denken musste... Abends war Alex dann noch mit ein paar anderen Freunden aus unserem Jahrgang in Tange und hat dort ganz zufällig Stefanos gesehen. Dem musste er von mir natürlich aussrichten, dass er mich gefälligst in Ruhe lassen soll. Seitdem lebt Lisa glücklich und zufrienden ohne Stefanos.....
Das wars erstmal mit meiner Story, hoffe ihr amüsiert euch alle gut. Bin in einer Woche wieder im Lande.
PS: Andre hat mich übrigens gelinkt! Er hat eine falsche Handynummer aufgeschrieben, dabei haben wir gesagt, dass wir nicht schummeln werden. Ich vertraue dir nie wieder! PFFFT!
Ausschnitte meiner unendlich scheinenden Reise nach Hause
Heute ist Dienstag der 19. Oktober 2010. Ich bin allein mit Sharon (Gastmutter) zu Hause. Dan (Gastvater) ist bei der Arbeit und Dustin (Gastbruder) ist in der Schule (College). Es ist der letzte Nachmittag meines zweiwöchigen USA-Aufenthaltes und ich habe noch eine lange und anstrengende Reise vor mir. Um 14:50 Uhr packe ich meinen Koffer und Rucksack in den Kofferraum unseres Autos. Doch verlasse ich mein zweites zu Hause nicht mit Sharon und unserem Auto, sondern mein Freund Yuriy (Foto: der in der Mitte) holt mich ab und wir fahren zur „Washington Square Mall“ um ein letztes Mal zusammen „abzuhängen“.
Dort angekommen checken wir erstmal, wo der nächste Apple Store ist, denn ich habe vor mir ein iPad zu kaufen (an alle Hater :D Ich werde es nicht behalten!!). Ich sage also, dass ich ein iPad kaufen wolle. Daraufhin bekomme ich einen persönlichen Verkäufer zugewiesen. Wir stellen uns vor. Er tippt verschiedene Dinge in sein iPhone ein und holt das iPad aus dem Lagerraum, welcher anscheinend durch eine Art Schleuse gesichert ist. Das ganze läuft sehr vertraulich ab. Der Verkäufer (hab den Namen vergessen) fragt mich, ob ich irgendwelche Fragen habe. „Bla Bla Bla“ Daraufhin meint er, wir müssten zu den iMacs hinüber gehen um zu bezahlen. Ich bin leicht verwirrt, da ich keine Kasse oder sonstiges erblicken kann: „??? .....Okay...“ Er scannt die iPad-Verpackung mit seinem iPhone ein, tippt erneut auf seinem iPhone herum und plötzlich spring aus dem Tisch, auf dem die iMacs standen, eine Kasse auf und ich bezahle. Wie gesagt, alles sehr vertraulich und persönlich. Ich finde das Laden-Konzept ist extrem genial, und einfach mal was anderes. Muss man mal erlebt haben. Soviel zu meinem Shopping-Erlebnis... :D
Anschließend genehmigen Yuriy und ich uns noch schnell einen Teller vom „Panda Express“ (Asiaten-Fast-Food, verdammt gut lecker) :) leider drängt die Zeit und wir müssen los (Tut mir leid Alex, könnte dein „Under Armour“ leider nicht mehr besorgen. Hat alles leider nicht ganz so geklappt, wie ich dachte.)
Um 16:30 Uhr treffen wir Sharon (Gastmutter) auf dem Parkplatz einer anderen Mall und ich verabschiede mich von Yuriy und steige in unser Auto mit meinen Sachen im Kofferraum. In Zeiten von Facebook fällt mir der Abschied nicht mehr sooo schwer wie früher.
Am Bahnhof angekommen, gibt es eine herzliche Umarmung und einen sehr rührenden Abschied von Sharon. Ich bin traurig, freue mich aber gleichzeitig schon auf zu Hause.
Dann gehe ich in den Bahnhof, kaufe mir eine Flasche Gatorade :) (ich liebe dieses Zeug), setze mich an das eine Ende einer Sitzbank in der Wartehalle. Als ich gerade anfangen habe den „Volksfeind“ zu lesen, kommt ein Mann zum anderen Ende der Bank und setzt sich quasi neben mich. Der Mann ist kleiner als ich, dick, ungepflegt und hatte sich anscheinend meeega in die Hose uriniert. Ich dachte mir nur: „Oooookkaay. Bleib einfach hier sitzen, ist ja nicht so schlimm...“ Also ignoriere ich den Mann einfach und lese weiter in meinem Buch. Jedoch nur für kurze Zeit, denn bald kommt ein Lufthauch von nebenan. Ein strenger Fisch- und Uringeruch liegt in der Luft. Der Mann ist am Milchtrinken, am Schmatzen, am Rülpsen und am Nasehochziehen. Ich muss meinen Sitzplatz aufgeben.....
Die dreistündige Zugfahrt ist langweilig, aber der Schaffner ist überaus nett. Er kümmert sich persönlich um alle Zuggäste und sagt Ihnen bescheid, wenn sie aussteigen müssen. Führ mich fordert er sogar ein Taxi zu meiner Bahnhofsstation an :) Es ist nun 21:50 Uhr und ich steige an der Tukwila Station aus. Es ist sehr dunkel. Es wartet ein arabisch aussehender Taxifahrer auf mich, welcher einen schwarzen Mini-Turban trägt. Er wirkt sehr nett, stellt viele Fragen und versucht irgendwie mit mir zu reden, doch am Seatec Airport angekommen merke ich, dass die Schlampe es nur fürs Trinkgeld tat.
Nach kurzem Umpacken checke ich meinen Koffer ein, begebe mich in den Transfer-Bereich des Seattle Flughafens und gönne mir nen lecker Cheeseburger :)
Nachdem ich mir noch was zu Trinken gekauft habe, verbleiben nur noch 1,48$ und 0,50€ in meinem Portemonnaie. Bankrott. Dafür kann ich mir gar nichts mehr kaufen. Zum Glück stellt der Seatec Airport kostenloses Wifi und Steckdosen bereit. Ich habe noch 5 Stunden totzuschlagen.
Mittlerweile ist es Mittwoch 0:55 Uhr. Hinter mich setzen sich zwei Asiaten. Natürlich machen die erstmal ein Foto :D Keine Ahnung wovon, sehe nur den Blitz. Sie reden die ganze Zeit in „Asiatisch“. Es scheint sowieso, als ob die Hälfte der Menschen hier Asiaten seien.
Nach und nach leert sich der Terminal um mich herum und ich bin der einzige Passagier in Sichtweite.
Ich fahre zum Spaß mit dem Zug von Terminal zu Terminal um mir mal die Beine zu vertreten.
Anschließend setze ich mich wieder auf den gleichen Platz. Ich ziehe meine Schuhe aus und mache es mir gemütlich, Surfe im Internet, höre Musik und schaue TV. Wenn ich links aus dem Fenster gucke, steht dort die ganze Zeit schon ein Flugzeug am Gate. Ich bemerke, dass das Flughafenpersonal zwischendurch im Pilotencockpit des Flugzeugs chillt. Irgendwann füllt es sich wieder mit Menschen um mich herum.
Es ist nun 4:38 Uhr. Ich mache mir Sorgen :( Mein Flug läuft über Paris. Gestern hab ich schon in den Nachrichten über die Streiks in Frankreich gelesen, weiß aber nicht, was da genau los ist. Ich frage einen Angestellten der Airline beim Boarding ohne Aussicht auf eine hilfreiche Information. Hoffentlich komme ich noch nach Hause!?
Um 5:40 Uhr steige ich ins Flugzeug. Ich bin sehr müde, daher schlafe ich sofort ein, nicht einmal der Start weckt mich mehr auf. Doch ist es ein sehr sehr unbequemer und kaum erholsamer Schlaf. Ich wache erst zwei Stunden vor NYC wieder auf. Mittlerweile fange ich an mich eklig zu fühlen. Ich will mich duschen!! Beim Landeanflug kann ich die „Jersey Shore“ sehen (wo die gleichnamige MTV-Sendung gedreht wurde).
Ich verlasse das Flugzeug und finde mich im Chaos wieder. Mit Hilfe von insgesamt 4 Flughafenangestellten versuche ich meinen Terminal und mein Gate zu finden. Der NYC Flughafen ist sehr unübersichtlich und ich sollte mich ein bisschen beeilen um meinen Flug zu erwischen. Da hilft es mir nicht, dass mir erst nach langem Anstehen am Sicherheits-Check gesagt wird, dass ich mein Ticket noch gegen ein anderes umtauschen muss. Zudem muss ich noch durch die Sicherheitsschleuse. Die sind hier übrigens ziemlich pingelig am Sicherheits-Check und wenn man mal eine Sache anders macht oder vergisst wird man gleich zusammengepfiffen.
Mein Flug am Mittwoch um 16:30 Uhr (Ostküsten-Zeit) von NYC nach Paris ist sehr angenehm. Ich kann ein bisschen schlafen und schaue „Iron Man 2“ und „Heat“. Neben mir sitzt ein ca. 40 jähriger Mann. Er ist hektisch, unsicher aber sehr aufmerksam, als würde er das erste Mal fliegen. Er scheint ein Franzose zu sein, doch bei der Landung merke ich, dass er doch Deutscher ist. Nun bin ich mir auch ziemlich sicher, dass er zum ersten Mal geflogen ist. Als er seine Flugverbindung nachguckt, sehe ich, dass er alle seine Flüge säuberlich auf eine A5 Seite gedruckt hatte und diesen Zettel überall markiert und anschließend laminiert hat.
Schon im Flugzeug wurde ich immer zuerst auf französisch angesprochen. Dies geht im Pariser Flughafen so weiter. Langsam nervt es! Selbst wenn das Flughafenpersonal ganz klar merkt, dass ich kein Französisch verstehe, sagen die kurz was in Englisch und labern mich danach weiter in Französisch zu D:
Es ist jetzt Donnerstag 6:45 Uhr (Französische Zeit). Ich sitze im Terminal, ich bin noch immer sehr müde, ich habe Durst, aber nicht genügend Geld mir was zu kaufen. Ich merke, dass ich mich nicht mehr konzentrieren und kaum noch klare Gedanken fassen kann. Bald bin ich ja zu Hause. Meine Vorfreude auf mein Bett und darauf Kathi wieder zu sehen wird immer größer.
Pünktlich um 7:30 Uhr steige ich in das kleine Flugzeug nach Bremen ein.
Obwohl dieses Flugzeug die bisher besten Sitze hat, kann ich nicht mehr einschlafen. Ich habe Durst, ich bin müde, ich fühl mich ekelig und mir ist warm. Egal wie ich sitze, es ist unbequem. Ich bin so erschöpft, dass ich kaum noch gerade sitzen kann, daher lege ich meinen Kopf auf den Ausklapptisch. Ich muss in so eine Art Halbschlaf geraten, denn irgendwann bemerke ich, dass alle Leute neben mir etwas zu Trinken haben, nur ich nicht! Ich habe nichts davon mitbekommen, obwohl ich mir sicher bin, dass ich nicht geschlafen habe. Mit fast einer Stunde Verspätung lande ich um 9:55 in Bremen.
Meine Mutter holt mich vom Flughafen ab und kauft mir gleich ein Wasser :) Die Fahrt nach Hause verging wie ein Traum. Zu Hause angekommen kann ich mich endlich duschen! Danach fühle ich mich wie neu geboren, sogar meine Müdigkeit scheint vergangen, welches jedoch nur trügt.. Nun muss ich aber noch kurz durchhalten, denn heute ist Kathis Geburtstag. Nachdem ich nun 45 Stunden auf den Beinen bin und zwischendurch nur ca. 6-8 Stunden Flugzeugschlaf hatte, kann ich um ca. 16 Uhr endlich meinen langersehnten erholsamen Schlaf antreten...
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Donnerstag, 21. Oktober 2010
“Hey Joe, Where are you going?“
Nach anfänglichen Organisationsschwierigkeiten bin ich seit dem 15. September an meinem Einsatzort, der nicht mehr wie ursprünglich die Stadt „Bay“, sondern das ca. 20 Minuten entfernte „Magdalena“ ist. Dort wurde vor ca. 2 Monaten ein neuer Campus errichtet, an dem neben mir noch ein anderer deutscher Freiwilliger eingesetzt ist, mit dem ich zusammenarbeite und lebe. Unsere Unterbringung ist soweit in Ordnung – vor allem seitdem wir einen Kühlschrank besitzen, der uns in Zusammenspiel mit unserem 5 € Toaster immer wieder große Freude bereitet. Im Übrigen gibt es in der Kantine am Campus vor Allem eines, nämlich Reis - zu jeder Mahlzeit (manchmal mit durchaus schmackhaften Beilagen). Wieder erwarten sind keineswegs Mücken ein Problem, jedoch ist man gelegentlich ein wenig genervt von sehr vielen Fliegen, die uns mit ihrer Anwesenheit beehren. Diese werden bekämpft mit sog. „Fly Traps“.
Magdalena selbst ist weit weg von so ziemlich allem, was ich jedoch als sehr angenehm empfinde, weil es eben auch weit weg ist von Hektik, Luftverschmutzung und Konsumgesellschaft, die das Bild der Hauptstadt prägen. Alle 10 Tage haben wir 4 Tage frei und reisen entweder nach Manila, um dort mit den anderen Freiwilligen Party zu machen oder unternehmen „Kurzreisen“ auf eine der unzähligen Inseln des Landes.
In Magdalena leben auf einem abgeschotteten Gelände ca. 100 „Studenten“ die verschiedene Berufe erlernen (Tischler, Elektriker usw.), sowie die „ALS“ (Alternative Learning System), mit denen ich die meiste „Arbeitszeit“ verbringe. Die 12 ehemaligen Straßenkinder aus Manila haben durchweg „kaputte“ Kindheiten (alle sind z.B. Drogenabhängig gewesen). Drei von ihnen stechen besonders heraus, da sie bereits Leute getötet haben in diversen „Gang-Fights“. Nun leben sie am Campus, haben zum ersten mal in ihrem Leben einen geregelten Tagesablauf mit 3 warmen Mahlzeiten und sollen auf den Wiedereinstieg ins öffentliche Bildungssystem vorbereitet werden.
Bemerkenswert ist, dass man den „Kindern“ (in Anführungsstrichen, da die meisten ca. 13-15 Jahre alt sind) ihre Vergangenheit in keiner Weise anmerkt. Die ALS zeichnen sich durch Gehorsam und Disziplin aus. Lediglich auffällig ist das für ihr Alter doch sehr kindliche Verhalten (stark erinnernd an Michael Jackson). Insgesamt lässt sich die Arbeit mit ihnen jedoch als sehr entspannt beschreiben, da sie uns als Autoritätspersonen schon nach sehr kurzer Zeit akzeptierten.
Dieser positive Umstand lässt sich vielleicht auch darauf zurückführen, dass die ALS (wie so ziemlich jeder am Campus, sogar die Pastoren) absolut vom „Fußball-Fieber“ ergriffen wurden. Sie sind sehr motiviert und lieben den Sport.
Aufgrund der allgemeinen Begeisterung wurde in Rekordzeit ein Fußballfeld auf dem Campus errichtet, das nun mehr oder weniger mein Arbeitsplatz ist. Zwar fallen hin und wieder kleine andere Dinge an, im großen und Ganzen lässt sich mein Aufgabenfeld aber auf Fußballtraining (Trainingsmethoden werden aus dem 10 Jährigen Erfahrungspool meines Mitfreiwilligen zur Genüge geschöpft) und andere Ballspiele wie z.B. Völkerball eingrenzen. Natürlich nehme ich auch gerne an den täglichen „Trainingsspielen“ teil. Folglich kann ich also wahrlich nicht behaupten „mich zu überarbeiten“.
Auch neben der Arbeit ist das Leben am Campus sehr entspannt. Alle Leute sind sehr nett zu den „German friends“, sogar mit den Pastoren hier verstehe ich mich wider erwarten sehr gut.
Ja – alles hier ist sehr christlich, was allerdings nicht weiter stört bis auf die Tatsache, dass schon seit September Weihnachtslieder in den Geschäften gespielt werden. Vor dem Essen wird 5 Sekunden zu „T-Rex“ pseudo-gebetet, ansonsten betrifft uns die christliche Ausrichtung der gesamten Einrichtung nicht weiter, auch wenn Gott für die meisten Schüler (aber auch Lehrer) allgegenwärtig ist („Let’s pray that we can duplicate the key“ , „Thank God, that I could borrow your fan“..). Bei näherer Betrachtung, vor allem nach Kontakt mit dem Management wurde aber zunehmend klar, dass die Spiritualität im Großen und Ganzen eine Fassade ist, hinter der ein kapitalistisches Konzept steht (auf weitere Ausführungen wird an dieser Stelle verzichtet).
In der üppigen Freizeit schaue ich viele Filme, die man hier an jeder Straßenecke für einen Spottpreis als Raubkopie (in jedoch meistens guter Qualität) hinterher geschmissen bekommt, „chille“ mit den älteren Schülern (mit denen die Kommunikation auf Englisch im Übrigen sehr gut funktioniert), oder trainiere im von ihnen selbstgebauten Fitnessstudio. Internet ist über einen USB Broadband Stick in passabler Geschwindigkeit verfügbar. Skypen ist leider nicht möglich, aber das nächste Internetcafe ist nicht sehr weit.
Überhaupt verlassen wir den Campus oft. Ein beliebtes Ziel ist die nächste Shopping Mall (ca. 45 Minuten entfernt). Der Weg führt zunächst mit einem Tricycle über eine Straße, die diese Bezeichnung nicht verdient zur nächsten „Jeepney Station“, wo man in eines der bunt geschmückten Gefährte (alte Jeeps aus der amerikanischen Besatzungszeit) einsteigt, das einen schließlich ans Ziel bringt. Beide „öffentlichen Verkehrsmittel“ würden natürlich nicht im Entferntesten den Sicherheitsbestimmungen oder Umweltauflagen in Deutschland entsprechen, dafür ist wirklich jede Fahrt ein Abenteuer.
In der Mall (von denen das Land übrigens wirklich mehr als genug hat) gibt es alles was man braucht und auch noch so einiges mehr. Klamotten, Filme, Handys (sehr wichtig für Philippinos, die absolute SMS-Junkies sind) und auch sonst so ziemlich alles (von RayBan Brillen über Rolex Uhren bis hin zu Billabong Shorts) gibt es dort für Spottpreise als China – Immitate zu kaufen, die hin und wieder dem Original erstaunlich nahe kommen.
Die häufigen Mall Besuche (so langsam werde ich „dicke“ mit dem dort arbeitenden Personal) werden gekrönt durch einen Besuch bei „Jollybees“, dem philippinischen Gegenentwurf zur Fast- Food Kette McDonalds, der wohl in keinem Land so gut funktioniert wie hier. Jollibees ist billig und übertrifft den Mc Donalds 1/4 Pounder mit einem 1/3 Pounder für 1,50 €, der seines Gleichen sucht: dem CHAMP!
Unsere 4 freien Tage verbringen wir wie schon zu Beginn erwähnt oft in Manila mit anderen Freiwilligen. Mit dem Bus fahren wir aus der Provinz in die Stadt, in der ein komplett anderes Leben herrscht. Die Religion ist nicht allgegenwärtig, dafür aber der Abgas Smog und die Hektik. Manila wirkt in manchen Stadtteilen wie eine moderne Buisness Metropole mit Wolkenkratzern und pervers riesigen Shopping Malls an jeder Ecke, jedoch befinden sich nur einen Kilometer entfernt der Rotlichtdistrikt sowie die Slums, die mit menschenwürdigem Leben nur wenig zu tun haben. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist omnipräsent.
Wenn wir feiern gehen, lernen wir natürlich nur reiche bis sehr reiche Philippinos aus der Oberschicht kennen, da sie die Einzigen sind, die sich solchen Luxus leisten können. Sie machen auf mich einen sehr oberflächlichen Eindruck und machen nicht den Anschein, als würden sie die Probleme in ihrem Land in irgendeiner Weise interessieren. Sie streben in jeder Facette ihres Daseins danach westlich zu sein – amerikanisch, um genau zu sein. Sie reden untereinander amerikanisches Englisch und umgeben sich am liebsten mit „Westlern“, zu denen nun auch wir zählen.
Wir erleben in dieser Gesellschaft, die sich so sehr am Westen orientiert, eine Art „positiven Rassismus“. Es ist uns z.B. erlaubt unbeachtet die zahlreichen Sicherheitskontrollen vor Straßenbahn und Shopping Center zu passieren. Ich selbst gelte übrigens als Amerikaner, was sich darin äußert, dass ich oft mit „Hey Joe“ angesprochen werde, da Philippinos anscheinend glauben, dass dies der allgemeingültige Name eines Amerikaners sei.
Überhaupt ist Rassismus hier nicht mit deutschen Maßstäben zu messen. Bei der Eröffnung eines Bankkontos muss man von 5 vorgegeben Rassen seine eigene ankreuzen. Besonders in der Provinz begaffen die Menschen die wenigen Ausländer wie „Affen im Zoo“ (daran gewöhnt man sich jedoch sehr schnell). Wir haben wir es auch schon in die Zeitung geschafft, obwohl wir es wahrlich nicht darauf angelegt haben. Adresse zum Artikel :
www.philstar.com/Article.aspx?articleId=621635&publicationSubCategoryId=69
Wie schon in meinem vorherigen Blogeintrag kurz erwähnt, ist hier wirklich alles amerikanisch (besonders in Manila). Im Kino werden amerikanische Hollywood Streifen gezeigt, der DJ in der Disco spielt House und Black Music. Von den Mall,s über das Supermarktangebot, bis hin zu den Steckdosen und den Türgriffen erinnert alles an den großen Kolonialbruder.
Natürlich gestalten diese Umstände (vor allem das weit verbreitete Englisch) die Integration und das Einleben hier um einiges einfacher. Ich kann inzwischen behaupten, dass ich mich eingelebt habe und fühle mich sehr wohl, auch wenn ich natürlich ab und an auch an Zuhause denke (und natürlich an den TiEgerclub, der sich in seiner Einzigartigkeit nicht ersetzen lässt). Das Wetter ist fabelhaft (jeden Tag 30°C) und auch an das humide Klima habe ich mich inzwischen soweit gewöhnt, dass es kein Problem mehr ist draußen Sport zu machen.
Zum Schluss noch ein Ausblick auf die nahe Zukunft:
Morgen werde ich wieder für 4 Tage nach Manila fahren und dort mit den anderen Freiwilligen ordentlich feiern gehen, mich auf die Suche nach gefälschten Mac-Spielen machen und ein Meeting im DED-Office haben, auf dem wir von unserer Mentorin bei Kaffee und Kuchen über unseren aktuellen Gemütszustand befragt werden.
Direkt danach wird Anfang November auf den Philippinen Halloween gefeiert, was mir ein paar freie Tage beschert, an denen ich plane die heißen Quellen und Wellness – Resorts in Laguna zu besuchen und in einem nahe gelegenen Vulkan-Kratersee Jetski zu fahren.
Da ich bei den christlichsten der Christlichen gelandet bin wird Weihnachten den ganzen Dezember zelebriert, den ich und mein Kollege folglich komplett frei haben. Zunächst steht das 3-tägige Zwischenseminar auf der Insel „Cebu“ an, an dem sich alle 50 DED-Freiwilligen auf den Philippinen treffen. Anschließend werde ich mit einigen Anderen Urlaub am White Beach der Insel „Bohol“ machen. Weihnachten werden wir auch am Strand verbringen, wahrscheinlich auf „Palawan“ (Inlandsflüge kosten sehr wenig, meist unter 50 € hin und zurück). Ich hoffe darauf in dieser Zeit Besuch von Sebastian aus Vietnam zu haben, Details diesbezüglich müssen aber noch geklärt werden. In Manila werden wir schließlich ins neue Jahr hineinfeiern, das hoffentlich so viele Erfahrungen und Erlebnisse bringen wird wie das Vergangene (oder noch mehr?!).
Ich komme nun zu einem Ende. Längst ist noch nicht alles berichtet, dies kann aber auch nicht der Anspruch eines Blog Eintrags sein. Also -
Mit vielen, vielen Grüßen von den Philippinen,
Sascha