Samstag, 25. September 2010

Von 2 gegensätzlichen Welten...

Die Nacht vor Abreise war eine kurze. Beim Einschlafen fühle ich noch den delikaten Nachgeschmack der Wunderbar Leckereien, mit denen meine lieben Freunde mich beschenkt hatten. Der Wecker ist umsonst gestellt. Ich kann vor Aufregung kaum Schlaf finden und stehe schließlich um halb 5 auf. 2 Kaffee, ein letztes mal „das gute“ Schokomüsli, dann geht es los zum Zwischenahner Bahnhof. Von dort aus soll mich die Bahn nach „Frankfurt-Airport “ bringen.


Die 5 Stunden Zugfahrt teile ich mit 2 neu gefundenen Kurzstrecken-Freunden auf der Strecke von Bremen nach Köln, sowie von Köln nach Frankfurt. (einige werden nun eine Fight Club Szene vor Augen haben)


Kurzstreckenfreund Nr1 ist Grieche, unterwegs im Auftrag der Regierung um „Aufklärungsarbeit über Griechenland“ zu leisten. (Was kann man sich darunter vorstellen?!)

Kurzstreckenfreundin Nr2 war deutlich angenehmer: Studentin, 20 Jahre alt, gebildet. Bezeichnend für die Belanglosigkeit beider ist, wie mir „a posteriori “ auffällt, dass ich beide nicht mit ihren Namen betiteln kann. Man verabschiedet sich voneinander als der Zug die Endstation erreicht – und vorbei ist die kurze Freundschaft.


Angekommen am Frankfurter Flughafen treffe ich die anderen Freiwilligen, mit denen ich auf dem Vorbereitungsseminar bereits 10 Tage verbrachte. Der Tatsache geschuldet, dass das VBS keinerlei Ausweichmöglichkeit für den Einzelnen bot, kennt man sich inzwischen bereits ganz gut. Sie sind von nun an die vertrautesten Bezugspersonen in einem Fremden Land.

Mit der Zeit komplettiert sich die Gruppe von 8 Freiwilligen, die nun nur noch 14 Stunden Flugzeit von einem völlig neuen Leben, einem völlig fremden Land trennt. Um 14:45 Ortszeit hebt der Flieger ab.


Nach einigen Stunden setzt das Zeitgefühl aus, was nicht nur auf die inzwischen erdrückende Müdigkeit zurückzuführen ist, sondern auch auf den „Basic Comfort“ den Thai Airways uns bietet (Keine Bordunterhaltung, teilweise kaputte Sitze). Eine funktionierende Lichtquelle am Platz ist Luxus, den nur 50 % der Passagiere genießen dürfen.

Determiniert durch die Platzzuteilung finde ich im Flugzeug erneut „Freunde“. Rechts neben mir ein Mitte 40er, in jeder Facette ihres Daseins durchschnittliches Ehepaar, mit denen ich mich über Gott und die Welt unterhalte. Natürlich auch über Sarrazin. ;)

Links neben mir sitzt der Prototyp eines deutschen Sextouristen. Er fliegt über Bangkok nach Thailand, wo seine sog. „Frau“ lebt. Als ich mir einen Film anschaue auf dem MACBOOK, fordert er mich auf „einen Porno anzumachen“.

Während des Fluges setzt komatöser Stundenschlaf ein (teilweise unterbrochen durch saufenden Sextouristen neben mir), bis wir schließlich in Bangkok landen. Unter Adrenalin suchen wir das richtige Gate für den Anschlussflug, das wir relativ schnell finden. Dort angekommen zocke ich erstmal ne Runde Mario Kart, bis uns Thai Airways schließlich sicher nach Manila bringt.


Endlich, nach 5h Zugfahrt, 16h Flug- und Wartezeit und 6h Zeitumstellung, sind wir auf den Philippinen physisch angekommen. Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel, in dem wir die nächsten 10 Tage verbringen werden wird mir klar, dass es psychisch noch eine Weile dauern wird.


In den nächsten Tagen leben wir zwischen 2 Welten. Innerhalb des Luxus Hotels fühlt man sich wie in Deutschland, sobald wir jedoch ausgehen, werden wir mit krassen Gegensätzen konfrontiert. Vor unserem Hotel übernachten Obdachlose auf Pappkartons, an vielen Straßenecken werden wir von Straßenkindern belauert. An die tropische Hitze gepaart mit Smog (besonders in Manila) gewöhnen wir uns mit der Zeit. Neben der absoluten Armut die wir sehen, gibt es nicht weit davon jedoch auch riesige Shopping Malls und Luxus Bauten, wie man sie in Europa nicht findet. Einige Male gehen wir mit Manilas Oberschicht feiern, die jedoch im Nachhinein auf mich einen ziemlich oberflächlichen, amerikanisierten Eindruck machte. Überhaupt fühlt man sich hier oft ein bisschen wie in „Klein-Amerika“. Der Kolonialeinfluss ist allgegenwärtig.


Am 15.9. werden wir von unseren Partnerorganisationen abgeholt und an unseren neuen Einsatzort gebracht. Vom ersten Arbeitsmonat werde ich Mitte Oktober voraussichtlich berichten


bis dahin liebe grüsse an euch alle, ich denke an euch =)

Sascha

1 Kommentar:

  1. Hoffentlich geht es dir da jetzt gut. =)
    Ich vermisse dich, Sebastian und Sönke schon unglaublich. Lisa :)
    Immer schön munter bleiben.

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