Hey Folks!
Ich hab lang nichts geschrieben und hier im Tiegerblog noch gar nicht – und ich hab grad schon ziemlich viel Zeit ... wie das kommt? Naja, gehen wir mal chronologisch vor.
Anfang Dezember habe ich angefangen für Sunshine Village zu arbeiten, einem Ski Resort bei Banff – ich hab derweil anfangs in Banff gewohnt (was bedeute, dass ich jeden morgen 20min Bus & dann 20min Gondel zu meinem Arbeitsplatz – der Sunshine Mountain Lodge – fahren musste) und dann später auf dem Berg in einem Doppelzimmer in einer Wohnanlage für die Mitarbeiter in der es keine Küche gab – nur einen öffentlich zugänglichen Wasserkocher, dass heißt wenn’s was Warmes geben sollte, hieß es entweder essen gehen oder Mr. Noodles (kanadisches Grundnahrungsmittel für Backpacker). Die Konsequenzen meines Umzugs auf den Berg waren teils guter, teils weniger guter Natur:
1. Mein Arbeitsweg verkürzte sich um 40 Minuten.
2. Länger schlafen war trotzdem nicht – ich wurde von da an ohne gefragt zu werden als Breakfast Cook eingesetzt, was von Anfang an der Plan war, aber mir natürlich nicht von meinem Küchenchef Gabe (zu ihm später mehr) gesagt wurde. Das wiederum hieß: 5:30AM fing für mich von nun an der Spaß an.
3. Ich konnte (wenn ich die Zeit gehabt hätte, was in 3 Wochen etwa 2 x vorgekommen ist) direkt vor der Tür mein Board anschnallen und auf die Piste.
4. War etwas isoliert – der Weg den ich vorher zur Arbeit hatte, stand mir nun bevor, wenn ich Freunde, die nicht auf dem Berg wohnten besuchen oder einkaufen oder feiern wollte und die Gondel fährt nur bis 5:30PM + Abhängigkeit vom Bus.
Ich musste etwa 6 Tage die Woche arbeiten und nie unter 7 Stunden (eher so 9) und das heißt nicht zwangsläufig nur 6 Tage am Stück – gerne auch mal 10.
Mitte Dezember hab ich Gabe dann schon mal gefragt, ob ich 5-7 Tage im Januar frei bekommen könnte, er verwies mich auf den „Wunschplan“, wo ich mich brav eintrug. Neujahr wollten natürlich alle frei haben, deswegen hieß es kurzerhand „Es bekommt keiner frei – wär ja sonst unfair“ – klingt ja auch irgendwie plausibel. In den nächsten 2 Wochen erwartete ich unsinnigerweise, das Gabe seinen Job machen würde und mir Bescheid geben würde, ob ich denn im Januar ein paar Tage frei haben könnte. Als er an Silvester aber noch nicht einmal den Plan für Neujahr und die darauf folgende Woche fertig hatte, war ich leicht angepisst und artikulierte dieses auch. Zwischendurch war noch etwas anderes dazugekommen, nämlich der Grund warum ich im Januar frei haben wollte:
Meine Schwester kam am 26. Dezember in Banff an.
Wir haben bis Silvester einen Abend und einen Tag was zusammen unternommen, da ich sonst arbeiten musste. Silvester nachmittags gabs dann auch irgendwann den Plan für die folgende Woche: Neujahr: Niemand hat frei – außer Gabe’s Liebling, ein Typ namens Patrick. Das Beste jedoch: ALLE haben die Woche mindestens 3 Tage frei, nur ich hab 2 frei. Nach meiner Schicht an Neujahr hatte ich dann ein „Meeting“ mit Gabe, der übrigens der feigeste Chef ist, den ich je kennengelernt habe (ich meine: er sagt seinen Sous-chefs, wenn ihm was nicht passt, damit diese es wiederum den Mitarbeitern sagen, damit er niemanden konfrontieren muss). Das Meeting ging darum, dass meine Attitude nicht gut ist, ich mich zu viel beschwere und nach außen hin nicht glücklich wirke, was schlechten Einfluss auf meine Mitarbeiter habe. Nach Beratung haben er und einer seiner Sous-Chefs (der mich überhaupt nicht kannte, aber mit im Meeting saß, dreimal dürft ihr raten warum... so ein Feigling -,-) beschlossen, dass sie mir eine zweite Chance geben und mich nicht einfach direkt feuern, was bei Sunshine Gang und Gebe ist. Ich kam dann noch mal auf meinen Urlaub zu sprechen ... er meinte er könnte mir höchstens 4 Tage am Stück frei geben, dafür müsse ich aber dann diese Woche noch durcharbeiten (also anstatt zwei null freie Tage). Dankesehr, Wichser! Lächeln und ja sagen – schließlich muss ich lernen meine „Attitude“ im Zaum zu halten. Am nächsten Tag war ich krank – und ich weiß, dass das psychosomatisch bedingt war – ich hätte einfach das Kotzen gekriegt, hätte ich Gabe noch mal sehen müssen – aber ein weiteres Mal stand mir noch bevor. Nachdem ich 2 Tage krank war und am dritten nicht hingegangen bin, wurde ich natürlich sofort gefeuert, dass lief dann so ab, dass ich in die Küche gerufen wurde, es wieder „Meeting“-Zeit war und Gabe dann (nachdem er mich 10min hat warten lassen und sich wieder ‚nen Sous-Chef (diesmal einen anderen, der ähnlich wenig mit mir zu tun hat – aber dem hatte ich schon mal „Hallo“ gesagt) geholt hatte, der ihm Händchen hielt, kam natürlich erstmal die Rede, wie gnädig er gewesen sei und das ich meine zweite Chance ja nicht wirklich wahrgenommen ...blablabla... gefeuert! Ich hab ihm diplomatisch zu verstehen gegeben, dass ich mit seiner „hinterrücks“-Art nicht klarkomme und sowieso nicht mehr in die Küche wollte. Er: „No hurt feelings than – but it’s too bad, right now the best time of the season starts. It’s not that busy anymore and there will be more days off and ride breaks* and it’s going to snow .......“ Schon verstanden.
Nun war ich Job und Unterkunft los (Unterkunft war sogar schade, weil mein Roommate echt cool drauf war), aber war nem andern Ziel ein gaaanzes Stück näher gekommen: Zeit für meine Schwester! Nachdem Silvester n Flop war, weil ich am nächsten Tag um 8 arbeiten musste (7 mitm Bus hoch, 6:30 aufstehen) und uns vorher gedroht wurde, dass jeder der nicht nüchtern ist, direkt gefeuert ist (was die knallhart durchgezogen haben – an dem Tag wurden bei uns in der Küche 2 gefeuert, insgesamt auf dem Berg war’s irgendwas über 20), war nun Zeit zum Feiern, boarden und sich vom Stress der letzten Tage zu erholen.
Ein paar Tage später gings dann auf Richtung Vancouver von wo aus meine Schwester zurückflog, aber nicht ohne Zwischenstop in Revelstoke, einem anderen Skigebiet mit dem geilsten Powder, die besten 2 Tage auf’m Board bis jetzt! Dann aber nach Vancouver, wo wir die glorreiche Idee hatten uns Fahrräder zu leihen, weil ich tatsächlich seit 4 Monaten kein Fahrrad gefahren bin und es in Vancouver für mich das erste mal seit 6 Wochen Temperaturen über -5° gab (pralle 8 Grad +). Auf der Tour sind die Fotos entstanden, wo ich diesen süßen, wie Lea bemerkte, mir etwas zu kleinen Fahrradhelm trage. In der Großstadt ohne richtige Fahrradwege zu fahren ist schon n kleines Abenteuer auch wenn Sascha und Sebastian sich grad bestimmt was-weiß-ich-was denken. =P Die Tour ging dann recht schnell Richtung Stanley Park, wo wir die meiste Zeit rumgefahren sind und tolle Fotos gemacht haben. In Vancouver gings dann noch ein bisschen shoppen, ins Kino und dann waren auch schon 3 Wochen, die meine Schwester hier war um.
Und nun? Das erste mal alleine – tatsächlich! Sonst immer von Deutschen umgeben oder zumindest von Leuten die ich kenne, aber jetzt mal allein, irgendwie ... cool =)
Also in Vancouver in Greyhound Bus und nach Whistler, wo n Mädel wohnt, welches ich auf’m Flug von Bremen nach Frankfurt (also gaaaaaaanz zu Anfang) kennengelernt hab, aber seitdem nicht wieder gesehen hab. Außerdem gibt’s da n fettes Skigebiet.
Es war Samstag und im Folgenden habe ich ein paar Erfahrungen gesammelt alá Try & Error mit 98% Error. Is’ ne dumme Sache gewesen, nur soviel: Mit dem Mädel hab ich jetz nichts mehr zu tun, ich hab 80$ für eine Nacht ausgegeben und bin nicht, das Schlimmste von allem, Boarden gewesen.
In der Motivation, dass jetzt mal was gut gehen muss, dann in Whistler in Bus gestiegen. Einmal Los Angeles, bitte!
Mit meinem Buspass konnte ich soviel in Kanada,USA & Mexiko rumfahren, wie ich wollte, da ich aber nur noch 6 Tage hatte, war mehr als L.A. nicht mehr drin, aber dafür L.A. , Digga!
40 Stunden Busfahrt später. Nachdem ich einen netten, zugedröhnten Althippie-Kiffer kennengelernt hatte, der mir auch sein Magazin über „Selber anbauen für Anfänger“ ausgeliehen hat, weil ich nichts mehr zu lesen hatte und mir von seinem Konzerterlebnis „Pink Floyd“ ’72/’73 erzählt hat und mir vorschwärmte, dass er ein Unze(28g) Weed für 10$ bekommt, weil sein Kumpel und er anbaun, bin ich dann wohlbehalten in L.A. angekommen.
Knapp 3 weitere Stunden mit dem öffentlichen Bus später(wobei ich mich auch verfahren hab und jeden Busfahrer überreden musste mich umsonst mitzunehmen, weil ich natürlich keine US-Dollar hatte) bin ich dann auch im Hostel angekommen, welches übelst cool ist. Ab jetzt gab’s NICHTS mehr zu jammern, es war von da an einfach nur geil.
Ich bin in T-Shirt, hochgekrempelter Hose (wozu sollte ich in Kanada ne kurze haben?) und flip-flops am traumhaften Venice Beach lang und mir kam meine Vancouver-Fahrradtour wieder in den Sinn. 10 Minuten später hatte ich den nächsten Fahrradverleih gefunden. Selbiger Tag wurde für Tour am Strand genutzt, am nächsten gings dann nach HOLLYWOOD. So etwa 25km bei Sonnenschein – da flossen die Glückshormone – war ich ja nur Schnee und - in letzter Zeit als sportlichste Betätigung Teller spülen - gewöhnt. Hollywood selber war dann – joa – „Find den Stern“ spielen (tatsächlich kannte ich etwa 85% der Leute nicht) und n bisschen Glamour angucken, hab aber nicht viel Zeit gehabt, weil ich noch zurück und um 5 das Fahrrad abgeben musste – nach den letzten 5km mehr oder weniger im Sprint bin ich dann auch um 4:57 zum Fahrradabgeben da gewesen, bin nämlich zurück nen andern Weg gefahren, dachte es wär ne coole Idee „Sunset Boulevard“ bis zum Meer abzufahren ... naja Beverly „Hills“ hat seinen Namen nicht von ungefähr. =) Sonst bin ich noch beim Pub Crawl dabei gewesen, wo ich eine nette Australierin kennengelernt hab (die einzige West-Australierin, die ich bisher kenne, sonst ist hier alles voll mit „Aussies“). Ich hab dann spontan noch einen Tag verlängert, weil ich just in dem Moment in dem ich voll bepeckt aus der Hosteltür austrete, realisiere, dass ich noch gar nicht weg will und ein weiterer Tag noch drin ist. Am nächsten Tag gings dann aber schon wieder Richtung Vancouver und weiter zurück nach Banff, wo ich seitdem wieder bin.
Jaaa... Banff. Ohne Job und grad Geld im Urlaub verballert, komm ich hier also an. Hab ziemlich direkt ein Interview bei Sunshine, welches ich mir (mit viel Glück) vor meinen Urlaub organisieren konnte, habe „DO NOT REHIRE“(Danke Gabe!) in meiner Akte stehen, was aber gestrichen wird, nachdem die Manager sich absprechen (nicht Gabe, da gibt’s noch nen anderen mit dem ich mich gut verstanden hab – n Deutscher) und hab nun die Chance auf nen Job als Ticketverkäufer, die Chefin, welche das mitentscheiden muss ist aber leider bis 9. Februar im Urlaub, weswegen ich WARTEN muss. Die Wartezeit hält immer noch an und mein Geld neigt sich nun wirklich dem Ende, hatte inwischen noch ein anderes Interview bei nem andern Skigebiet und hoffe da angenommen zu werden, weil Sunshine eigentlich so gesehen ein Drecksladen ist.
Sonst gibt’s in meiner Wartezeit viel Feierei, so dreimal die Woche und sonst Gammelei im großen Stil. Ich hoffe einfach diese Woche eine der beiden Zusagen zu bekommen und wieder im Skigebiet zu arbeiten.
Drecksladen Sunshine (sehr lesenswert): Support Ski Patrol
Lieben Gruß aus meiner derzeitigen Sendezentrale: Zimmer 101, HI Hostel Banff, #801 Hidden Ridge Way, Banff, T1L 1B3 Alberta.
Sönke (aka Zen – weil keiner meinen Namen aussprechen kann)
*(ride breaks sind 2 Stunden Pausen wenn wenig los ist, damit man boarden gehen kann)
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