Zu allererst gibt es noch Worte zu dem Besuch vom 3. Adventwochenende bei einer Schülerin in ihrem Heimatdorf. Wir fuhren mit ihrem Vater und anderen Dorfbewohnern zwei Stunden auf teils eigentlich unwegsamen Strecken zu einem Dorf auf einem Berg mit ca. einem Dutzend Familien. Nach einem kurzen Mahl und ein paar höflichen Worten sind wir früh in unsere Betten gegangen. Ich bekam eines in der Abstellkammer, Katharina teilte sich einem mit den drei weiblichen Personen des Haushaltes. Morgens wurde ich dann vom Quieken des zu schlachtenen Schweins geweckt. Während das Schwein geschlachtet wurde, wurden wir um eine neue Kohleschüssel abgestellt und haben gefrühstückt und uns wieder gewärmt. Nachdem Mittagessen sind wir dann zusammen mit der Schülerin durchs Dorf gelaufen und sahen, dass an jedem Haus die Familien mit dem Zerlegen von Schweinen beschäftigt waren. Wir genossen die Aussicht vom Feld aus und als wir zurück kamen wurden wir auch endlich eingespannt und mit der Aufgabe des Borsten-entfernens an den Beinen beauftragt. Anschließend wurde dann das frische gegrillt, bis es dann noch richtiges Abendessen gab. Auch jenes bestand natürlich wieder aus Reis und diversem Schweinefleisch. Gut gestärkt ging es dann abends wieder im Minibus zurück zur Lanping Yizhong.
Wie schon in meinem letzten Bericht angekündigt haben wir am 12. Dezember das erste Mal Kleidung verteilt. Wir haben uns morgens an der Lanping Yizhong getroffen, den Transporter, der von der Schule uns zur Verfügung gestellt wurde mit den sortierten Grundschulklamotten vollgeladen und haben uns zusammen mit der Englischlehrerin Mrs. Sabrina auf den Weg gemacht. Da der junge Fahrer ein solches Vehikel noch nie gefahren hatte, war die Fahrt trotz neuer Straße sehr holprig und über den dritten Gang ging es nie drüber hinaus. Angekommen, klärten mit dem Vize-Headmaster ab, was wir denn vorhatten. Typisch Chinesisch war der Headmaster nämlich gar nicht da, obwohl ich ihm per SMS vorher unseren Besuch angekündigt hatte und er hatte auch niemanden Bescheid gesagt. Das Ganze war aber kein Problem und bald standen alle Schüler in Reihen auf dem Innenhof. Wir begannen den noch skeptischen Schülern Bücher zu geben, während unsere Freundin Sabrina erklärte wer wir sind und was wir machen. Die Kinder nahmen die Bücher mit zunehmender Begeisterung entgegen. Anschließend haben dann Katharina und Jannik den bedürftigen Schülern, die alle aus Bergdörfern kamen und in der Schule übernachten, neue Kleidung gegeben, während Pauline und ich mit den Kindern spielten. Es wurde mit Kreide gemalt, Seil gesprungen und das Baumhauslogo nachgezeichnet. Nach anfänglicher Schüchternheit tauten die Kinder auch langsam auf und es war ein schöner Vormittag. Jedoch ist es bei 60 Schülern schwer, sich zu zweit um die Belustigung zu kümmern. Nachdem die Kinder dann Essen gingen, wurde auch für uns gegen unseren Willen ein Essen angereicht und wir aßen zusammen mit dem Vizeheadmaster, bevor wir uns dann mit den erleichterten Kisten auf den Rückweg machten.
Wir haben uns leider auch vor dem Zwischenseminar mit Aktionismus verrant. Ohne uns Tipps von den anderen Freiwilligen zu holen haben wir uns auf die Informationen von einem ehemaligen Freiwilligen und einem Lehrer unserer Schule verlassen und versucht eine Sammelaktion an der Lanping Yizhong durchzuführen, die jedoch leider kläglich scheiterte.
Unter der Woche hat uns noch ein Schüler mit seinem zweieinhalb-jährigen Bruder besucht, der nach anfänglicher Schüchternheit nicht genug vom Spielen bekam und wir spielten trotz Sprachbarriere bis in den Abend. Es wurde hochgehoben, rum-geworfen und Wal-nüsse zerstampft, bis meine Wohnung nicht mehr ganz so ordentlich war. Außerdem feierten wir den vierten Advent zusammen mit ein paar Schülern bei Jannik und Pauline. Es gab Stollen, Schokolade und den Duft eines Räuchermännchens, da Paulines Oma großzügige Pakete geschickt hatte.
Dann stand auch schon als nächstes das Zwischenseminar an, bei dem wir endlich alle Freiwilligen und auch unseren Leiter Yizhu endlich wieder in Dali trafen. Das Seminar war sehr locker gestaltet, da sich auch keine schwerwiegenden Probleme aufgetan hatten, sodass wir vor allem genossen endlich wieder alle beisammen zu sein.
Weihnachten haben wir dann nachmittags noch an den Unterrichtskonzepten gefeilt, ehe es dann ans Warten ging. Wie in Deutschland wartete man auf die Bescherung, die sich bei uns vor allem als riesiges Buffet mit vielem westlichem Essen entpuppte. Die Devise war All-you-can-eat, somit setzten wir uns in den Gang um möglichst schnell für Nachschub sorgen zu können. Es war wirklich lecker und als die Chinesen, die noch mit im Hostel waren, fertig zu sein schienen, stellten sich ein paar von uns sogar direkt ans Buffet. Es war ein Schlachtfeld, auf dem nichts zurück gelassen wurde und mit vollen Mägen ging es dann an die eigentliche Bescherung. Denn wir hatten vorher Wichteln organisiert, sodass es für jeden ein Geschenk gab. Yizhu verkleidete sich als Weihnachtsmann und jeder bekam sein Geschenk mit überwiegend großer Begeisterung (ich bekam eine Flöte der Bai-Minderheit).
Anschließend gingen wir in die Stadt, die sich mittlerweile als großes Schlachtfeld entpuppte, da es an jeder Straßenecke Spraydosen mit künstlichem Schnee zu kaufen gab und es wurde sich gegenseitig wie wild besprüht. Dieses Massaker wurde in Teams gekämpft oder teils bei hinterhaltigen Angriffen der Chinesen auf die Ausländer auch alleine als Rambo. Das Resultat waren dann eingeschäumte Freiwillige, die anschließend noch die katholische Weihnachtsmesse in der kleinen Kirche feierte, ehe es dann erschöpft ins Bett ging.
Am ersten Weihnachtstag stand eine Fahrradtour an. Wir liehen uns Fahrräder und ich bequemte mich nach fast vier Monaten Abstinenz wieder auf einen Fahrradsattel. Das Fahrradfahren hatten wir sprichwörtlich nicht verlernt, auch wenn ein Unglück nachdem anderen passierte. Es gingen Fahrräder kaputt (und das trotz des tollen Aufklebers, der die Fahrtrichtung beschrieb), Leute verloren den Anschluss und zu guter letzt wurden noch Unfälle gebaut. Dabei wurde ich von einem Rollerfahrer angefahren und landete zum Glück in dem ca. meterbreiten Graben, anstatt auf der Straße oder dem asphaltierten Fahrradweg. Eine andere Freiwillige fiel bei dem Versuch das Fahrrad eine Stufe heraufzutragen direkt in eine kleine Sahnetorte, die auf der Straße lag. Trotz der Unglücke war es ein toller Tag an dem wunderschönen Er-Hai-See.
Über den darauffolgenden Tag kann ich leider nicht so viel berichten, da während des Seminars ein Virus rumging, der auch mich erwischte und mich einen Tag ans Bett fesselte. Der Sensibility-Workshop und das Freiwilligenkonzert sollen jedenfalls gut gewesen sein. Am Tag darauf ging es dann mittags für Jannik und mich in den Bus und wir fuhren zurück.
Tobi war dann der erste Freiwillige, der mit nach Lanping kam und wir besuchten alle zusammen eine Tanzvorführung an der Grundschule in Jinding. Spontan wurden wir auch vom Headmaster gefragt, ob wir nicht auch etwas vorführen konnten und nach kurzer Absprache fanden wir uns Beine schwingend und Jingle Bells singend auf der Bühne wieder. Abgesehen von unserem Auftritt waren die Tänze sehr gut und auch die ganz Kleinen hatten schon einiges einstudiert. Hier steckt von kleinauf mehr Fleiß in solch einer Geschichte. Anschließend gingen wir zurück nach Jinding und wurden noch von den dortigen Lehrern zum Essen eingeladen.
Am Silvestertag kamen dann abends alle anderen Freiwilligen und auch alle weiteren Teilnehmer des Zwischenseminars an und nach einem Mahl in einem Restaurant mit viel Bier ging es dann zum Tong Bao Hotel, wo wir einen KTV-Raum mit direktem Zugang zur Disko gemietet hatten. Die Disko war auch sehr voll und die vielen Ausländer begeisterten die Chinesen, sodass wir die ganze Zeit von einem Tisch zum anderen den Einladungen zum Biertrinken nachkamen. Sogar ein paar Schüler von uns waren mitgekommen. Es wurde viel gesungen, getanzt und zum neuen Jahr angestoßen. Es war ein gelungener Rutsch ins neue Jahr und abgeschlossen wurde er mit einem gemeinsamen Barbecue an den Straßenständen.
Den Neujahrstag gingen wir ganz entspannt an. Ein paar fuhren ins Bergdorf und mit den anderen Freiwilligen bestieg ich den 2-5-Berg in Jinding. Abends haben wir dann noch einmal alle zusammen im Hotel von Yizhu und seinem Kumpel getrunken und am nächsten Tag sind die meisten Freiwilligen dann schon wieder Richtung Heimat aufgebrochen. Nur ein paar blieben, die unter anderem abends spontan noch vor der Abreise zum Friseur wollten. Die eigentlich schon großzügigen Öffnungszeiten, die bis 9pm gehen, wurden aber durch deren Extrawünsche noch etwas ausgedehnt und um 10.40pm durften dann endlich die Friseure den Laden schließen.
Jetzt sind alle Freiwilligen wieder abgereist, wir beginnen mit den letzten Unterrichtsstunden vor den Ferien und bereiten unsere große Sammelaktion und Verteilaktionen im Januar vor. Der Alltag hat einen wieder gepackt. Einzige Änderung die bleibt: Ich habe jetzt Facebook.
Ich wünsche Euch allen ein weiteres Mal alles Gute für ein erfolgreiches Jahr 2012!
Beste Grüße aus China,
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