Mittwoch, 8. September 2010

Meine Damen und Herren auf Gleis 6...

...welcome to Hannover!


Es war also soweit. Die Bundeswehr lud mich am 06.09. zum "Einstellungstest" nach Hannover ein. Mit mehreren Bewerbern sollte in den nächsten zwei Tagen geklärt werden, ob ich das Zeug zum Feldwebel habe.
Im Zentrum (für Nachwuchsgewinnung) musste ich erst einmal Zettel ausfüllen, Personalausweis vorzeigen und anschließend Bettwäsche in Empfang nehmen. Ich bekam einen "Infoordner" indem alles wichtige drin stand. Essenszeiten, Tagesabläufe, Hausordnung und Verhaltensweisen.

Das erste was ich bei der Bundeswehr lernte war wohl die wichtigste Regel dort:

Warten...

Schließlich wurde ich mit den anderen in der Sporthalle begrüßt. Sehr pompös das ganze, mit Power Point Präsentation und biologischem Test, bei dem ich einige Fragen über mich, mein Leben und meine Erfahrungen angeben musste. Nach dem Mittagessen (das eigentlich alles hätte sein können, zumindest vom Geschmack her) ging es zum Computertest. 2 Stunden und 30 Minuten verbrachte ich vor dem PC. Gefragt wurde eigentlich alles. Von Physik und Mathematik, über räumliche Vorstellungskraft bis zu Englischkenntnissen. Das beste war allerdings die letzte Aufgabe. Auf dem Bildschirm sah mal 20 verschiedene chinesische Symbole über denen die Zahlen 0-9 standen (also gab es alle Zahlen quasi 2x)
Nun wurden die Symbole untereinander geschrieben und man musste immer die zwei aufeinander folgenden Symbole zusammenrechnen. Das ganze ist die ersten 5 Minuten noch leicht, aber nach 15 Minuten verlässt dich die Konzentration und du denkst dein Kopf explodiert.


Aber ich habe überlebt. Tag 1 war geschafft. Ich gammelte mit meinen Kameraden auf unserer Stube. Wir lernten uns kennen erzählten von uns und redeten über Gott und die Welt. Um 22:30 sind die Lichter ausgegangen. Zwar redete man noch etwas, aber spätestens um 24 Uhr ist man eingeschlafen. Am nächsten morgen klingelte dann um 5:45 Uhr der erste Wecker. Aufgestanden bin ich (mit einem Kollegen) um 6. Duschen und Frühstücken, danach ging es für mich (um 7:00 Uhr) zum Arzt. Wiedermal wurde die Geduld auf die Probe gestellt. Ein echtes Psychospiel betrieb die Bundeswehr mit einem. 3 Stunden saß ich, mit anderen Leuten, im Wartezimmer. Wurde wieder kurz aufgerufen um zum Beispiel eine  Urinprobe abzugeben, mich ausmessen zulassen oder den Hör- und Sehtest zu absolvieren. 

Um 10:30 Uhr war dann Sport angesagt. Der Pendellauf (4x9 Meter) gestaltete sich schwerer als gedacht, da die Halle extrem rutschig war. Dagegen waren die 35 Sit-Ups in 40 Sekunden reinste Erholung. Die "Bundeswehrliegestütze"...

Bei der Bundeswehr wird eine spezielle Form des Liegestütz durchgeführt, die auch Bestandteil des Sporttests ist:
  1. Der Ausführende liegt auf dem Bauch, die Hände berühren sich auf dem Rücken.
  2. Nun werden beide Hände gleichzeitig neben den Schultern auf den Boden gesetzt und die Arme gestreckt, bis der Körper eine gerade Linie bildet.
  3. Eine Hand löst sich vom Boden und berührt den gegenüberliegenden Unterarm.
  4. Zurückkehren in die Ausgangsstellung.
 (geklaut von Wiki)

... waren da schon schwerer. 23 Stück in 40 Sekunden. Mehr wollten die Arme nicht hergeben. Der Standweitsprung und der Ergo-Test auf dem Rad waren wieder Erholung pur. Danach musste es schnell gehen. Duschen, Mittag essen und sich im Versammlungsraum treffen. Zeit für das Bewerbungsgespräch.


Doch zuvor musste man wieder etwas warten. Diesmal nur 2 Stunden. Dann kam der "Oberlukkilukki" (wie die Ranghohen hier genannt wurden). Ich saß ihm und einer Psychologin gegenüber. Sie fragten mich viel. Einiges wusste ich, einiges nicht. Mit meiner Begründung warum ich Soldat werden wollte waren sie nicht ganz zufrieden. Ich sollte draußen Platz nehmen, sie rufen mich dann nochmals rein.

Als ich die Tür verschlossen hatte, war ich mir sicher: Das wird nichts mit der Bundeswehr. 

"Herr V., kommen sie nochmal rein?"
Aber gerne doch. Mit meinem Gespräch waren sie nicht wirklich zufrieden. Die Leistungen im Computertest entsprachen meinen Schulnoten. Okay, aber hätten besser sein können. Sporttest hab ich bestanden. Ich sollte mich etwas mehr mit aktuellen politischen Themen befassen. Letztendlich haben sie mir die Zusage gegeben. 

"Herzlichen Glückwunsch Herr V."
     

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